Michael Käfer - Lifestyle-Insider.com

Michael Käfer

INTERVIEW

Er gilt als der heimliche Wiesn-König. Mit uns sprach er über seine schönsten Wiesn-Momente und das ungewöhnlichste Oktoberfest seiner Laufbahn. Außerdem verrät er, wie es dazu kam, dass das Käfer-Wiesn-Haferl zum Sammlerobjekt wurde und wo er in München gerne essen geht.

28. September 2018

Lieber Herr Käfer, ich freue mich sehr, dass wir uns heute in der Käfer Wiesn-Schänke zum Interview treffen. Wie lief das Auftaktwochenende des 185. Oktoberfestes?

Sehr, sehr gut! Das Wetter war ideal, insbesondere am Samstag. Der erste Tag ist immer extrem wichtig – da kommen Personal und Bedienungen in den richtigen Beat rein.

Seit 1971 gilt die Käfer Wiesn-Schänke als Institution auf dem Oktoberfest. Was sind Ihre persönlichen ersten Erinnerungen an die Wiesn?

Für mich gibt es sehr viele Erinnerungen. Schon mit 16 Jahren habe ich hier beim Aufbau mitgemacht, am Getränkebuffet und in der Kaffeeausgabe geholfen. Gastronomisch habe ich auf der Wiesn sehr viel gelernt und bin quasi mitgewachsen: Mein Vater hatte 1971 noch 70 oder 80 Plätze, später waren es 200 Plätze und heute haben wir mit Garten weit über 3000 Plätze.

Was macht die Popularität und den Erfolg aus?

Wir legen sehr viel Wert auf Qualität. Außerdem haben wir Veränderung auf die Wiesn gebracht. Früher gab es auf dem Oktoberfest eben ein Hendl, Steckerlfisch oder Ochsen. Das war’s! Die Idee mit der Kulinarik und einem Menü hatte mein Vater – und war gewissermaßen Vorreiter. Bis heute. Wir wollen immer ein bisschen besser sein. Allein unser Holzhaus ist etwas Besonderes auf dem Oktoberfest. Ein weiterer Punkt: Durch unsere anderen Gastro-Betriebe kennen wir sehr viele Gäste und sie uns. Dieses Publikum kommt gerne.

Wann beginnen Sie mit den Wiesn-Vorbereitungen?

Wir hören nie damit auf. Ich habe ein Team mit vier Mitarbeitern, die das ganze Jahr über für das Oktoberfest arbeiten. Für mich kommt die wichtigste Zeit direkt im Anschluss. Wir analysieren, was man besser machen könnte und denken über viele Kleinigkeiten nach. Was könnte man verschönern? Schon während der Wiesn machen wir uns Notizen und überlegen danach: Was ist machbar? Beispielsweise haben unsere Bedienungen heuer neue Dirndl. Beschlossen haben wir das schon vor drei Jahren, aber uns gefielen die Entwürfe bislang nicht. Wir können es uns glücklicherweise erlauben, so sehr in die Details zu gehen. Auch über unseren Straßenverkauf haben wir uns lange Gedanken gemacht. Meine Kollegen tun das ebenfalls: Das Oktoberfest ist daher nicht nur das größte sondern auch das hochwertigste Volksfest der Welt.

Was war das größte Missgeschick in all den Jahren?

Das war wirklich eine verrückte Geschichte! Wir hatten 2003 eine neue Reservierungsleiterin und gleichzeitig ein neues Computersystem. Im August waren wir immer noch nicht richtig ausverkauft, was es eigentlich nie gibt. Ich habe mein Team damals angespornt, mehr zu verkaufen. „Gebt Gas!“ Eine Woche vor dem Wiesn-Start gehe ich die Reservierungen durch und stelle fest, dass das ganze Haus durch einen Fehler im Computer doppelt verkauft worden war. Ein riesen Schock! Dankenswerterweise hat uns der Oberbürgermeister unter die Arme gegriffen und kurzerhand die Genehmigung zur Überdachung des Gartens erteilt. Dennoch: Die komplizierteste Wiesn aller Zeiten. 

Und was war der schönste Moment in all den Jahren?

Den erlebe ich jedes Jahr aufs Neue, wenn ich beim Standkonzert der Blaskapellen mit meiner Frau an der Bavaria stehe und bei gutem Wetter in den blauweißen Himmel blicke. Die Kapellen spielen die bayerische Nationalhymne und Luftballons steigen nach oben. Das gibt Gänsehautfeeling - auch für Nicht-Bayern.

Was ist das beste Oktoberfest-Souvenir aus Ihrem Haus?

Das Wiesn-Haferl natürlich. Mein Vater hatte damals die Idee, Kaffee aus Haferln auszuschenken. „Aus Versehen“ wurden die Tassen dann mit nach Hause genommen. So ein Haferl kostete damals rund 1 Mark - und so hatten wir die Idee, die Tasse mit in den Kaffeepreis einzukalkulieren. Nach wie vor ist es für viele ein Oktoberfest-Ritual, solche Haferl als Souvenir mitzubringen - und ich komme so in eine riesige Anzahl an Haushalten (lacht).

Bei Ihnen herrscht Promidichte. Auf welche Gäste sind Sie besonders stolz?

Auf die ganz normalen Leute. Das ist unser Publikum. Natürlich ist viel Presse da und wir leben gewissermaßen davon. Es gibt auch Leute, die sich unbedingt zur Schau stellen wollen. Andererseits haben wir auch Gäste, die froh sind, wenn sie nicht gesehen werden und ihre Ruhe haben. Das muss man immer abwägen. Aber insgesamt sind wir wirklich froh, dass wir so viel positive PR haben - und dazu gehören die Menschen, die eben die besten Geschichten des Lebens schreiben.

Gibt es noch Stammgäste, die seit der Eröffnung jedes Jahr wiederkommen?

Wir haben einen Gast, der ist mittlerweile 90 Jahre alt, ein guter Freund meines Vaters und Architekt. Viele Jahre hat er an der Gestaltung der Wiesn-Schänke mitgewirkt und kommt auch immer noch jedes Wochenende. Letzten Samstag war er wieder da: Von 13 Uhr bis 23 Uhr abends hat er gefeiert, mit Freunden, Kindern und Enkelkindern. Häufig werden unsere Tische auch über Generationen hinweg „weitervererbt“.  

Ist es deswegen so schwierig, bei Ihnen einen Tisch zu bekommen?

Wir schreiben jedes Jahr die Leute an, die im Vorjahr einen Tisch hatten. In der Tat geben die Gäste diese Reservierungen oft an Kinder und Enkelkinder weiter. Das ist eine Riesenfreude für uns und zeigt, dass wir etwas Besonderes betreiben. Erst gestern kam ein junger Mann zu uns ins Büro und bedankte sich für die Einlasskarte. Es sei der schönste Brief des ganzen Jahres gewesen.

Wie erleben Sie die Wiesn? Immer vor Ort?

Unter der Woche komme ich zwischen 16 und 17 Uhr und bleibe dann bis zum Schluss um 1 Uhr. Davor sehe ich zu, dass die anderen Käfer-Geschäfte laufen. Am Wochenende bin ich schon ab 11 Uhr hier. Das ist nicht schlimm, denn es macht mir viel Freude und gibt mir meinen Adrenalinkick.

Wie viele Flaschen Champagner verkaufen Sie während der 16 Tage?

MK (lacht): Über Champagner sprechen wir nicht! Gezählt habe ich noch nie, aber ich gehe von ein paar tausend Flaschen aus. Das Meiste ist nach wie vor Bier und Hendl. 50.000 bis 60.000 Maß verkaufen wir locker.

Wo befindet sich in Ihren Augen der beste Platz bei Käfer?

Oben auf der Empore, mit Blick auf die Bavaria. Dann haben wir noch einen leicht erhöhten Platz im Garten, mit Blick auf die Wiesn. Vor drei Jahren entstand dieser Ort durch Zufall beim Umbau der Toiletten. Ein ganz wunderbarer Fleck! Wir arbeiten übrigens seit Anbeginn mit der gleichen Schreinerfirma, die uns mittlerweile in dritter Generation und mit viel Liebe zum Detail die Schänke baut. Normal ist es schwierig, gute Handwerker zu finden. Nicht auf der Wiesn! Hier kommen sie in Scharen, weil sie, wie früher, ins Detail gehen können. Das ist Handwerkskunst, die Freude macht.

Der Leitsatz des Hauses Käfer lautet: Qualität aus Leidenschaft. Und diese sieht man im Funkeln Ihrer Augen…

Wir haben fünf Firmenwerte: Einzigartig, liebenswert, emotional, hochwertig und überraschend. Das sieht man hier an diesem Haus ganz besonders. Wenn all diese Werte da sind, können wir verkaufen. Das ist unser Rezept!

Sie haben auch Ihre Frau auf der Wiesn kennengelernt?

Gekannt hatten wir uns zuvor schon ein bisschen, aber beim Oktoberfest vor 12 Jahren haben wir zueinandergefunden. Sie arbeitet voll mit und ist, wie ich, immer auf der Wiesn. Bis vor einem Jahr hatte sie die kaufmännische Leitung des Betriebs inne und ist heute im Aufsichtsrat.

Wie sieht Ihr persönlicher Wiesn-Bummel aus?

Den machen meine Frau Clarissa und ich immer am letzten Abend nach dem gleichen Ritual. Wir fahren mit dem Riesenrad und schmeißen Frösche. Wenn ich nicht auf dem Oktoberfest arbeiten würde, käme ich sicher zur Mittagszeit und bliebe bis zum späten Nachmittag – in meinen Augen die schönste Zeit. Ich ginge in die Käfer-Schänke - einfach, weil es mir hier am besten gefällt und säße den ganzen Nachmittag bei schönem Wetter draußen. Zwischendrin würde ich noch ein bisschen umher laufen und Schausteller besuchen: Nach wie vor finde ich Fahrgeschäfte, wie die wilde Maus toll oder das Teufelsrad. Es gibt auch gute Kaffeeläden und einfach nichts, was es nicht gibt hier!

Und wenn man bei Käfer keinen Tisch bekommt?

Tagsüber im Garten stehen die Chancen sehr gut. Hier reservieren wir nicht und haben 2.500 Plätze.

Was ist Ihr Lieblings-Wiesn-Hit?

Da gibt es viele. Dieses Jahr zum Beispiel Cordula Grün. Aber auch einige Klassiker, die man sonst das ganze Jahr nicht hören kann, aber zur Wiesn willst du sie! “Steirermen san very good“, zum Beispiel…

Wie tanken Sie Energie für die vielen Projekte?

Im Erfolg. Wir haben das große Glück, Erfolge sehr schnell von unseren Kunden zurück gespielt zu bekommen. Das ist anders, wie etwa bei einem Kleidungshersteller. Erfolg erlebe ich auch auf unseren Veranstaltungen, Partys oder einfach nur wenn ich durchs Restaurant gehe und sehe, den Leuten gefällt es. Das ist ein schönes Gefühl und Emotion pur!

Sie sind 60 Jahre alt. Wo sehen Sie sich und die Wiesn-Schänke in zehn Jahren?

Meine Söhne sind leider noch zu jung, um schnell in meine Fußstapfen zu treten. Vielleicht arbeiten sie in zehn Jahren neben der Schule hier, so wie ich damals.  Aber ich habe ein gutes, junges Team, das man entwickeln kann und das kontinuierlich weitermachen muss. Auch die Digitalisierung kommt ein wenig bei uns an. Wir haben Küchengeräte, die selbstständig in der Nacht arbeiten, neue Reservierungs- und Bezahlsysteme. Dennoch aber wird sich der Charakter der Wiesn nicht verändern. Die Zelte, die Musik - das bleibt. Je mehr Technik die Menschen haben, umso mehr lieben sie das Gegenteil. Dennoch wollen wir weiter das junge Publikum ansprechen. Bei uns geht es mit etwa 30 Jahren los. Das sind die Leute, die Stimmung machen. Und die älteren Semester, so wie ich jetzt, schauen sich schließlich gern junge Mädel im Dirndl und junge Burschen in Lederhosen an. Ich finde das schönste an der Wiesn ist ohnehin die Tracht. Jeder macht sich zurecht und es gibt wirklich niemanden, der in Tracht nicht gut aussieht.

Sie haben aus einem Münchner Familienbetrieb ein international erfolgreiches Unternehmen geschaffen. Neben der Käfer-Schänke betreiben sie den Feinkosthandel, Partyservice und verschiedene Gastro-Locations, wie etwa das Esszimmer in der BMW-Welt…

Wir sind auch in Hamburg und im Bundestag in Berlin. Den Grundstein dafür haben mein Vater und Onkel gelegt. Ich hatte das Glück, hier weiter ausbauen zu dürfen. Unser neuester Stolz ist das Formel E-Projekt – eine Automobilserie, ähnlich der Formel eins nur mit Elektromobilität. Die ist gerade ziemlich angesagt, mit Rennen auf der ganzen Welt. Wir machen Hospitality für den Emotion-Club mit 4.000 bis 5.000 Leuten. Am 15. Dezember geht es los in Riad, dann folgen Rennen in Marrakesch, Mexiko, später in Europa, Rom, Zürich…Ein tolles Projekt, für das wir gerade den Zuschlag bekommen haben.

Haben Sie einen Tipp, wenn jemand in München essen gehen möchte?

Ich habe wirklich sehr viele gute Kollegen hier in der Stadt – ein paar schätze ich besonders, wie etwa Ugo, den ich bereits seit seinen P1-Zeiten kenne. Heute hat er einen riesen Betrieb, den er sich mit unheimlich viel Fleiß aufgebaut hat. Davor habe ich Hochachtung! Die beste bayerische Küche findet man bei Rudi Färber im Sedlmayr am Viktualienmarkt. Es gibt auch klasse Italiener, wie etwa die L’Osteria bei uns um die Ecke. Auch Franzosen sind wieder im Kommen, zum Beispiel Chez Fritz. In München hat sich gerade sehr viel getan. Es gibt viele junge Restaurants, die richtig gute Sachen machen.

Wenn Michael Käfer mal ein paar Tage Urlaub hat, wo entspannt er da?

Mit Kindern ist man doch immer ein bisschen angebunden: Wir fahren in unser Wochenendhaus am Tegernsee. Seit vielen Jahren reisen wir immer wieder auf die Seychellen und nach Mauritius. Zum Beispiel ins Shanti Maurice, das wir sehr gerne mögen, weil es dort recht ruhig ist. Für die Kinder gibt es auch einiges. Ich bin zudem ein großer Griechenland-Fan – aber leider ist das Thema Urlaub bei mir nicht so präsent.

Zusammen mit Ihrer Frau betreiben Sie eine Stiftung. Was steckt dahinter?

Wir haben uns zu unserer Hochzeit diese Stiftung geschenkt – einfach, weil es uns gut geht und wir etwas zurückgeben möchten. Die Stiftung unterstützt alte Münchner. Altersarmut ist hier ein Thema, aber auch Demenz. Ich habe selbst eine demente Mutter und weiß, wie schwierig das für alle ist.  Unser Ziel ist, ein Demenzhaus zu bauen, wo man Angehörige auch mal einen Tag in die Betreuung geben kann. Meine Frau Clarissa betreut viele solcher Projekte im Großraum München. Wir haben der Stadt alles zu verdanken – und möchten daher selbst fördern und zurückgeben. Anlässlich meines Geburtstags feierten wir etwa mit 800 älteren Leuten aus Altersheimen. Das war für mich das Schönste!

Zu guter Letzt noch das Thema Sicherheit auf dem Oktoberfest. Die letzten Jahre war die Stimmung etwas gedrosselt, 2018 merkt man davon nichts mehr…

Das hat man schon am ersten Tag erlebt. Die Menschen sehen es wieder als selbstverständlich an und glücklicherweise ist in letzter Zeit wenig passiert. Das tut dem Oktoberfest gut. Aber wir müssen auch aufpassen, dass wir nicht übertreiben. Vor allem was die Preise anbetrifft. Unser Käfer-Publikum hat in der Regel mehr Geld und kann sich einiges leisten. Aber auch die junge Familie oder die ältere Dame soll sich herrichten und gerne über die Wiesn laufen wollen. Dazu muss sie sich das Oktoberfest aber auch leisten können. Nur dann funktioniert es – und wir alle müssen daran arbeiten.

Herzlichen Dank, lieber Herr Käfer, für dieses interessante Gespräch!

 

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